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So kannst du das Drama-Dreieck ins Gewinner-Dreieck wandeln

Dieser Artikel beschreibt das Dramadreieck aus der Transaktionsanalyse. Das Dramadreieck ist eine bestimmte Art von Konfliktsituation, die jeder kennt. Dieser Konflikt gewinnt im Laufe der Situation an Dynamik und endet für beide Gesprächspartner meist in einer alt bekannten Verstimmtheit. Dieser Artikel erklärt die Hintergründe des Dramadreiecks und wie es zu einem Gewinnerdreieck umgewandelt werden kann.

Ich denke, wir kennen alle diese oder ähnliche Situationen:

Eine Arbeitskollegin beklagt sich unentwegt über das hohe Arbeitsaufkommen. Wir mögen diese Kollegin, können aber dieses ständige Gemecker nicht mehr hören. Wir geben ihr Tipps, wie sie sich organisieren könnte, um ihre Situation zu verbessern. Sie setzt keine dieser Tipps um. Dadurch denken wir, dass sie andere Tipps benötigt und verausgaben uns in der Tipps & Tricks – Vergabe.

Weil nichts fruchtet, verlieren wir die Geduld und nehmen die Sache selbst in die Hand. Wir nehmen z. B. der Kollegin stillschweigend Arbeit ab, damit sie endlich aufhört sich zu beklagen. Wir fühlen uns als Held, weil wir so viel für die Kollegin getan haben. Aber es kommt kein Dank von ihr.

Im Gegenteil. Es kommen Anklagen, dass wir ihre Arbeit nicht gut genug erledigt haben und sie nun viel mehr zu tun hat, als zuvor. Wir empfinden ihre Reaktion als Undankbar und klagen die Kollegin an, weil wir ihr doch nur helfen wollten und sie jetzt so undankbar sei. Die Situation endet in einer „vertrauten“ Verstimmtheit. Wir erleben diese Situation immer, wenn es um einen Retter, ein Opfer und einen anklagenden Verfolger geht.

Was ist die Rolle und das Motiv des Retters?

Der Retter fühlt sich stark. Er fühlt sich sogar stärker als alle anderen. Er denkt, dass er das Leid von anderen auch noch auf seinen Schultern tragen könnte. Aus seiner Sicht könnte er auch ein Held sein, weil er so aufopferungsvoll anderen unter die Arme greift. Tatsächlich stellt er sich mit dieser Einstellung über andere und spricht ihnen die eigene Stärke ab. Er nimmt damit denen, die er als Opfer erkennen glaubt, die Möglichkeit sich zu entwickeln. Er ist davon überzeugt, dass er das Richtige tut. Andere sieht er als unselbstständig oder hilflos und macht sie damit klein.

Der Retter vergisst bei all dem seine eigenen Themen, die er anschauen sollte. Wenn er all seine Kraft für sich selbst und seine Ziele nutzen würde, würde er die Welt deutlich weiter bringen, als mit seiner bisherigen Verhaltensweise. Wenn er erst hilft, wenn er um Unterstützung gebeten wird, würde die Situation ihm sogar Kraft geben, anstatt wie bisher Kraft rauben.

Wie kann der Retter zum Helfer werden?

Um zu einem Helfer zu werden, kann er den Hilfesuchenden fragen, ob er Hilfe benötigt. Erst wenn der Hilfesuchende diese Frage mit „JA“ beantwortet hat, darf er helfen. Der Hilfesuchende ist somit in der Eigenverantwortung und hat sich frei zur Hilfe entschieden. So gewinnt die Anstrengung zur Lösung des Problems eine ganz besondere Kraft, welche die Situation wirklich vorantreibt. Der Helfer darf auch respektieren, wenn das Opfer noch nicht zum Hilfesuchenden werden möchte bzw. kann. Manchmal gibt es gute Gründe, warum die Opferrolle noch nicht verlassen werden kann. Aber diese Frage muss sich die Person in der Opferhaltung selbst beantworten. Der Helfer hat stattdessen erkannt, dass er nur die Verantwortung für sein eigenes Leben übernehmen kann und nicht die anderer Leben.

Was ist die Rolle des Menschen in der Opferhaltung und was sind seine Motive?

Der Mensch in der Opferrolle erlebt sich als Objekt eines übermächtigen Geschehens. In den meisten Fällen hat er sich selbst in die Opfer-Situation hinein manövriert und fühlt sich darin gefangen. Oftmals suchen sich Menschen in der Opferrolle auch Gegenspieler, die sie in ihrer Überzeugung über sich selbst bestätigen, z. B. ein Retter mit: „ich kann nicht richtig denken, handeln, meinen Körper belasten oder Entscheidungen treffen“  oder den Verfolger mit: „ich habe es verdient zurückgewiesen oder herabgesetzt zu werden“. Ein Mensch in der Opferrolle fühlt sich unterlegen, neigt zu angepasstem Verhalten und ist abhängig von anderen Menschen. Er fühlt sich unsicher und hat wenig Selbstvertrauen.

Was kann ein Mensch in der Opferrolle tun, um zum Hilfesuchenden zu werden?

Der Mensch in der Opferrolle darf die eigene Kraft und Handlungsfähigkeit erkennen. Handlungsfähigkeit bedeutet bereits andere Menschen um Hilfe zu bitten und diese anzunehmen. Die problemlösende Handlung muss dann aber von der Person in der Opferhaltung selbst ausgeführt werden, anstatt die Situation von anderen lösen zu lassen. Es geht darum die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen.

Der Mensch in der Opferrolle darf die Entscheidung treffen, die Situation lösen zu wollen. Ab diesem Zeitpunkt übernimmt er die Verantwortung für sein eigenes Leben. Durch die getroffene Entscheidung wird er mit einer voran treibenden Energie belohnt. Wenn diese Haltung bisher die hauptsächliche Lebenshaltung war, darf der Mensch in der Opferrolle lernen und die Erfahrung machen z. B. selbst zu denken, selbst zu entscheiden und zu handeln. Er wird bei der Lösung seiner Situation neue Kompetenzen erlernen und dadurch Selbstvertrauen aufbauen.

Was ist die Rolle des Verfolgers und was sind seine Motive?

Er tritt als Verurteiler und Kritiker auf, der durch seine Wut angetrieben wird. Dementsprechend sind auch seine Anklagen wenig hilfreich für sein Gegenüber. Im Gegenteil, der Verfolger hat die Absicht seinen Ärger zu adressieren. Er ist davon überzeugt, dass nur er recht hat.

Der Verfolger strebt nach Kontrolle über andere. In seinem Inneren trägt er die Überzeugung, dass Menschen ihn nicht um seinetwillen mögen und nur bei ihm bleiben, wenn er genug Kontrolle auf sie ausübt. Eine solche Lebenshaltung kann sehr mühsam sein, denn er muss stets dafür Sorge tragen, dass er genug „unfähige Menschen“ um sich herum hat, um diese auch verurteilen bzw. verfolgen zu können.

Ein Retter kann auch schnell zum Verfolger werden, wenn er die Geduld gegenüber der Person in der Opferhaltung verliert und ihn anklagt. Aber auch die Person in der Opferhaltung kann zum Verfolger werden, wenn sie den Retter anklagt, weil er seine Hilfe aufzwingen wollte.

Was kann der Verfolger tun, um zum Konfrontierer oder Verhandler zu werden?

Er darf erkennen, dass er keine Kontrolle ausüben muss. Er darf loslassen lernen und seine Überzeugungen über sich selbst überdenken. Gleichzeitig darf er davon ausgehen, dass jeder sein Bestes gibt, so gut er kann.

Wenn dem Retter die Geduld ausgeht und er zum Verfolger wird, darf er beim nächsten Mal sein Gegenüber früher mit der Situation konfrontieren. Zum Mensch in der Opferrolle könnte der Retter sagen: „Wenn du Hilfe benötigst, helfe ich dir gerne. Komm einfach auf mich zu.“ Um zu vermeiden, dass der Mensch in der Opferrolle nach Hilfe fragt, aber dann die Arbeit dem Retter überlässt, können vor der Hilfe klare Absprachen gemacht werden. So werden die Verantwortlichkeiten nochmals klar auf den Tisch gelegt. Wenn sich der Retter in einem Dramadreieck wieder findet, kann er auch der Person in der Opferrolle mit der Situation konfrontieren und sachlich erläutern, was gerade schief läuft und neue Absprachen machen.

Das Fazit zum Drama-Dreiecks-Spiel

Das Drama-Dreieck entsteht nicht aus dem Bewusstsein heraus und niemand geht diese Konfliktsituation mit Absicht ein. Jeder hat seine Lieblingsrolle, aber es ist auch normal, wenn wir uns in allen Rollen bewegen. So kann beispielsweise ein Retter auch in der Opfer-Rolle landen, wenn er sich selbst bemitleidet, dass seine Hilfe vehement abgewiesen wurde. Ich habe bereits viel über das Drama-Dreieck geschrieben, aber es gibt noch viel mehr darüber zu erfahren. So bleibt z. B. noch die Frage offen, warum wir diese Art von Spiele spielen. Die Gründe sind sehr individuell und lassen sich meist in der Kindheit finden. Bewusstheit darüber kann das Bedürfnis abschwächen, solche Drama-Dreiecks-Spiele zu spielen. Wenn sich dieses Bedürfnis nicht abschwächt, kann ein Coach oder Berater aus der Transaktionsanalyse helfen.

Warum kann es noch zum Dramadreieck kommen?

Ganz oft geht es in Kern nur um Zuwendung. Menschen möchten miteinander in Kontakt kommen und auch intim werden. Hiermit sind tiefergehende Gespräche gemeint bei denen Verbundenheit entsteht. Aber oft fehlt den Menschen die innere Erlaubnis intim werden zu dürfen. Das würde bedeuten, dass sie einen Menschen an sich heran lassen und dieser ihnen nah werden würden, wovor der ein oder andere vielleicht auch Angst hat.

Mit diesem Beitrag wollte ich ein gegenseitiges Verständnis schaffen. Jeder hat sein Päckchen zu tragen und selten kann dieses einfach abgelegt werden. Dafür ist Mut und Arbeit nötig, was nicht immer einfach ist. Aber jeder der bereit ist immer mehr Balast von seinem Päckchen abzulegen, wird an echter Freiheit gewinnen.

Ergänzende Bücher zu diesem Thema sind z. B.

  • Das konstruktive Gespräch ein Leidfaden von Manfred Gührs und Claus Nowak
  • Wie man Lebenspläne verändert von Claude Steiner
  • Die Transaktionsanalyse von Ian Stewart Vann Joines

Diese Bücher könnt ihr euch direkt über den hier eingefügten Link anschauen und ggf. kaufen.

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